Heinz Butz

Arbeiten

Text

Gedanken an Heinz Butz

Selten kann man am Werkverlauf eines Künstlers ähnlich überraschende und interessante Beobachtungen machen wie an dem von Heinz Butz. In einem Prozess des beständigen Reflektierens und Nacharbeitens der Tradition der Moderne hat er Themen entwickelt, die mit ihren bildnerischen Neuerungen ohne weiteres als zukunftweisend zu bezeichnen sind. Dieses Zukunftspotential seiner Arbeit hat der Künstler in einer bewusst stillen, ja fast abgeschiedenen Lebens- und Arbeitsweise aufgespürt und sichtbar gemacht, vergeistigt und verdichtet, aber niemals in einer nach öffentlicher Aufmerksamkeit strebenden Strategie oder als programmatisches Statement.
Als Heinz Butz in den 1980er-Jahren regelmäßig auszustellen begann, konnte er auf ein komplexes Werk von enormer Fülle und Vielfalt zurückgreifen, das in all seinen unterschiedlichen Formulierungen dennoch eine ausgeprägt eigenständige, ja ganz eigene und sich homogen vermittelnde Künstlerpersönlichkeit zeigt. Dieses eigene bei Butz ist – im Unterschied und im Gegensatz zu den Ideen der Nachkriegsavantgarden – der Verzicht auf radikale Brüche mit dem Vorhergegangenen zum Zwecke der Erreichung und Bestätigung eigener Identität und Originalität. Sein Weg und Anliegen war und ist es, Vorhandenes in seinen Arbeiten zu modifizieren und gegebenenfalls auch neu zu deuten, aber immer mit dem größten Respekt vor dem ihm an die Hand Gegebenen und im Umgang damit sich seiner Verantwortung voll bewusst. So ist seine Bildsprache auch vorwiegend leise und respektvoll, dabei von einer großen Kraft und Ruhe, die aus der Akzeptanz der Traditionen und einem selbstbewussten und ausgewogenen Umgang mit ihnen resultiert.
Der heitere Ernst einer immer genauen Bildsprache, das Geistige der Bildzeichen und das große Selbstverständnis seiner Arbeit, entstanden aus der ruhigen, kontemplativen Tätigkeit des Künstlers – all das strahlt uns aus den Werken von Heinz Butz entgegen, als etwas Seltenes, ja Abgelegenes, das nur von aufmerksamen Augen zu entdecken und wahrzunehmen ist.

Text von Fred Jahn, In: Jahrbuch 30 (2016). Bayerische Akademie der Schönen Künste. S. 188.

Die Galerie Fred Jahn zählt Heinz Butz seit 1984 zu ihrem festen Künstlerprogramm und hat ihn und sein Werk über die Jahre hinweg begleitet. Das Lenbachhaus in München ehrt das Werk von Heinz Butz, indem ihm dort im Zuge der Neuhängung der Sammlung „Kunst nach 1945“ ein eigener Raum mit den Bildobjekten der 60er und Anfang 70er Jahre eingerichtet wurde. Diese permanente Präsentation, die im Mai 2015 eröffnete und noch bis Mitte 2017 zu sehen sein wird, kommt einer Wiederentdeckung für die Kunstwelt gleich.

Mit den kleinformatigen, irregulär geformten Wandarbeiten, die er selbst Bildobjekte nennt, ist er ein Minimalist unter den shaped canvas Künstlern. Ellsworth Kelly, Frank Stella und Barnett Newman gelten als die Pioniere der shaped canvas. Im New York der 60er Jahre entwickelten diese Künstler ihre meist monochrom bemalten und großformatigen Leinwände. Auch die Formate anderer deutscher Künstlerkollegen, wie Blinky Palermo oder Imi Knoebel, bewegen sich in großen Dimensionen. Heinz Butz’ Werke sind im Gegensatz dazu intim, konzentriert, meditativ.

Im Dezember 2015, anlässlich des 90. Geburtstags von Heinz Butz, präsentierte die Galerie Fred Jahn eine Auswahl von Zeichnungen aus den Jahren 1997–2002. Diese Serie abstrakter Farbstiftzeichnungen, die sich zu kleinen Gruppen zusammenfügen oder auch als Einzelblätter existieren, zeugt in ihrer hellen Farbigkeit von einer frischen Agilität. Trotz der augenscheinlich geschlossenen Umrisslinien, die sich über das Blatt schlängeln oder netzartige Gespinste entfalten, scheinen diese zu vibrieren. Der stetig erneut ansetzende Strich steht unverkennbar in einer expressionistischen Tradition. Die abstrakten Formen sprechen ihre eigene Sprache und lassen sich vereinzelt anhand von Heinz Butz' Skizzenbüchern identifizieren. Denn nicht selten handelt es sich um Formen aus der Natur, die mittels Vergrößerung oder Reduzierung auf ihre Silhouette entstehen.

Text von Felicitas Kirgis

Vita

1925

Heinz Butz wird am 2. Dezember in Dillingen an der Donau geboren

(lebt und arbeitet in München)

1948—1950

Kunstschule der Stadt Augsburg, Student bei Georg Meyer, Eugen Nerdinger und Hermann Rothballer

1950—1956

Studium an der Akademie der Bildenden Künste, München, Student bei Franz Nagel und Walther Teutsch

1954

Professor an der Werkschule der Stadt Augsburg

1967—1991

Professor an der Akademie der Bildenden Künste, München

Selected Solo Shows

2019

Heinz Butz – Jahn und Jahn, München

2018

Heinz Butz. Objekte 1968–1970 – Galerie Biedermann, München

Heinz Butz. Das reine Sein als Anfang – Saloon, Brüssel

2017

Heinz Butz – Galerie Haas Zürich, Zürich; Galerie Michael Haas, Berlin (Kat.)

2016

Heinz Butz. Paintings – Schönewald Fine Arts, Düsseldorf

2015

Permanente Präsentation der Bildobjekte der 60er – Anfang 70er Jahre – Städtische Galerie im Lenbachhaus, München


Heinz Butz. Farbstift–Zeichnungen. Einzelblätter und Folgen 1997–2002 – Galerie Fred Jahn, München

Heinz Butz. Bilder – Schönewald Fine Arts, Düsseldorf

2014

Heinz Butz. Ausstellung 2014 – Sammlung Werner Asam, Aichach


Heinz Butz. Farbstiftzeichnungen – Galerie Biedermann, München

2011

Heinz Butz. Ausstellung 2011 – Sammlung Werner Asam, Aichach

2010

Heinz Butz. Bilder, Bildobjekte, Arbeiten auf Papier – Wolfram Völcker Fine Art, Berlin

2007

Heinz Butz. Maler und Zeichner – Bayerische Akademie der Schönen Künste, München

2005—2006

Heinz Butz. Zeichnungen – Galerie Fred Jahn, München

2003

Heinz Butz. Ausgewählte Bilder und Zeichnungen seit 1956 – Galerie Josephski-Neukum, Issing am Ammersee

2000

Heinz Butz. Gebirgszeichnungen – Galerie Fred Jahn, München
 (Kat.)

Heinz Butz. Arbeiten der letzten 50 Jahre – Rathausgalerie, München

1999—2000

Heinz Butz. Bilder, Zeichnungen und Objekte 1968–1999 – Eröffnungsausstellung der Sammlung Werner Asam, Aichach

1998

Heinz Butz. Bildobjekte und neue Zeichnungen – Galerie Fred Jahn, München

1996

Heinz Butz. Das bildnerische Werk 1949–1994 – Toskanische Säulenhalle im Zeughaus, Augsburg 


Heinz Butz. Neue Zeichnungen – Galerie Fred Jahn, München

Heinz Butz. Bildobjekte – Galerie Zell am See
, Zell am See

1994

Heinz Butz. Bilder von 1950–1990 – Städtische Galerie im Cordonhaus, Cham

Heinz Butz. Bildobjekte 1964–1976 – Galerie Fred Jahn, München


Heinz Butz. Zeichnungen, Bilder – Schloss Haslangkreit, Kühbach, Landkreis Aichach-Friedberg

1993—1994

Heinz Butz. Bilder und Zeichnungen 1950–1992 – Ausstellungsräume Villa Dorn, Kurhaus Garmisch, Garmisch-Partenkirchen

1992

Heinz Butz. Arbeiten auf Papier 1952–1990 – Galerie Fred Jahn, München

Heinz Butz. Zeichnungen der letzten Jahre – Schloss Haslangkreit, Kühbach, Landkreis Aichach-Friedberg

1991

Heinz Butz. Bilder von 1950–1990 – Holbein-Haus, Augsburg

1990—1991

Heinz Butz. Sammlerausstellung zum 65. Geburtstag – Städtische Kunstsammlungen, Schäzlerpalais, Augsburg

1988

Heinz Butz. Bilder 1951–1969 – Galerie Fred Jahn, München (Kat.)

1986

Heinz Butz. Bilder und Zeichnungen 1982–1986 – Galerie Biedermann, München (Kat.)

1985

Heinz Butz. Neue Zeichnungen – Galerie Fred Jahn, München

1984

Heinz Butz. Bilder 1959–1962 – Galerie Biedermann, München; Galerie Fred Jahn, München (Kat.)

1977

Heinz Butz. Objekte, Zeichnungen und Collagen – Galerie Rehklau, Augsburg

1976

Heinz Butz. Zeichnungen von 1975 – Dr. Gerd Schell, München

1972

Heinz Butz. Bilder 1967–1971 – Schaezlerpalais, Augsburg (Kat.)

1967

Heinz Butz. Bilder von 1964–1966 – Galleria Penelope, Rom (Kat.)

1966

Galerie Hausmann, Augsburg

1964

Galerie Hausmann, Augsburg

Selected Group Shows

2020

Denkraum Deutschland II, Pinakothek der Moderne, München

Don’t (Part I: Don’t Forget Your Mask) – Jahn und Jahn, München

2018

40+10+1 – Jahn und Jahn, München

The way you read a book is different to how I tell you a story – Jahn und Jahn, München

2017

PLAN VIEW – Jahn und Jahn, München

2009

Heinz Butz und Rudi Tröger – Galerie Lelong, Zürich (in Zusammenarbeit mit Galerie Fred Jahn, München) (Kat.)

2008

Rhythmus 21. Positionen des Abstrakten aus der Sammlung des Lenbachhauses, Heinz Butz, Lucio Fontana, Rupprecht Geiger, Isa Gensken, Ellsworth Kelly, Sarah Morris, Gerhard Richter, Sean Scully et al.
 – Städtische Galerie im Lenbachhaus, München


Heinz Butz. Bilder, Bildobjekte, Arbeiten auf Papier – Karl & Faber, München (in Zusammenarbeit mit Galerie Fred Jahn, München) (Kat.)

2007

Karl Bohrmann, Heinz Butz, Erwin Pfrang, Friedrich G. Scheuer, Rudi Tröger, Katharina von Werz. Bilder, Aquarelle, Zeichnungen – Karl & Faber, München (in Zusammenarbeit mit Galerie Fred Jahn, München)

2001

Die Kunst der Linie. Heinz Butz, zusammen mit Louise Bourgeois und Eduardo Chillida – Galerie Lelong, Zürich

1996

Heinz Butz, Ägidius Geisselmann, Manfred Hollmann. Bilder – Rathausgalerie, München