Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
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Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
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Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
Installationsansicht, Jahn und Jahn, München, 2026
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Eröffnung am 26. März, 18 bis 20 Uhr
Die Phantasie des portugiesischen Malers und Zeichners Jorge Queiroz erscheint immanent irreal. Mehrdeutig- traumhafte, fluide Schwebezustände bestimmen die Räume seiner Bilder. Nichts Statisch- Unverrückbares, keine Spur von Finalität eignet ihnen, sondern der Maler evoziert schweifend - diffuse Prozesse der Metamorphose ohne Anfang und Ende. Seine schöpferische Arbeit kondensiert immer wieder in mehrteiligen Werkreihen, in welchen nicht das einzelne Bild, sondern eher der Zusammenklang einer Vielzahl von Formen und Farben über die Bildgrenzen hinweg dominiert.
In seiner zweiten Münchner Einzelausstellung seit 2023 zeigt der Künstler drei großformatige Gemälde mit seitlich zugeordneten kleineren Bildtafeln, die den Titel „The nerve of the tide“ tragen. In thematischem Bezug hierzu stehen vier kleinere, bereits 2012 entstandene Papierarbeiten in Mischtechnik mit dem Titel „Seascape 1-4“. Durch die Wahl des Querformats und die Setzung von Horizontlinien betont der Künstler hier die Anmutung von Landschaftlichem, auch wenn der Grisaille-Ton alles Gegenständlich-Erkennbare in eine milchige Unschärfe taucht. Es sind offensichtlich „Seestücke“ bzw. „Meereslandschaften“, ein Sujet, das er in den großen Gemälden wieder aufgreift und hier durch die Intensität des Malvorgangs ins Elementare steigert. Der Betrachter fühlt sich in einen geradezu pneumatischen Strudel der Farbbewegung hineingezogen, der die an-und abschwellenden Meeresgezeiten gleichsam physisch erlebbar zu machen scheint. Queiroz verzaubert uns mit einem Farb-Universum, in welchem maritime Blau-und Grüntöne vorherrschen, die immer wieder ins Türkis changieren, aber auch Abstufungen von Rosa und Gelb zulassen. Dies gilt in ebensolchem Maße für die aktuell entstandene Reihe der quadratischen Formate „Knots“.
„Ich mag die Farbe, die Flüssigkeit und die Spuren, die auf der Leinwand hinterlassen werden.“ Mit solchen Statements zielt der Maler auf den geradezu sinnlichen Umgang mit der Materie. Oft wohnt seinen Farb- Ereignissen etwas beinahe Alchimistisches inne. Man mag an den Schmelz von Email, an ausblühende, irisierende Amalgame oder Legierungen denken, die in ihrer Verschmelzung immer neue Verbindungen und wechselseitige Vernetzungen im Bildraum schaffen. Oft schwer entzifferbare, nur schemenhaft gegenwärtige figürliche oder gegenständliche Details bettet Queiroz in das Sfumato seiner Farbwolken, aus deren Melos von Ferne der weiche Klang des Portugiesischen herauszutönen scheint.
Erinnerungen an die Ästhetik des Surrealismus, in welchem sich die Grenzen zwischen der „Wirklichkeit“ der Außenwelt und einer imaginären, inneren „Traumwelt“ verwischten sowie die Wege zum Bilderreservoir des Unbewussten freigelegt wurden, erscheinen in den Bildern von Queiroz gegenwärtig geblieben zu sein. Auch mag eine Affinität zum Symbolismus des späteren 19.Jahrhunderts - so etwa zur koloristischen Opulenz eines Gustave Moreau mitschwingen. Aber all dies sind nur Assoziationen und ungefähre Bezugspunkte für eine historische Ortung dieser Gemälde, die das Panorama der Gegenwartskunst gänzlich eigenständig bereichern.
Michael Semff